Champs-Elysées

Ein großartiger Ausblick

Die Champs-Élysées liegen parallel zur Rue du Faubourg-St-Honoré, die in die Normandie führte. Sie entstanden aus einem ästhetischen Bestreben und nicht aus Verkehrsgründen, auch wenn ihre Verlängerung nach Neuilly im 18. Jh. konkreten Erfordernissen entsprach. Die große Achse, wie sie seit dem Ausbau der Défense in den 80er Jahren besteht, entspringt immer noch dem Willen, das Areal durch monumentale Akzente zu bestimmen. Heute wie früher trägt sie zum imposanten Bild, das die Hauptstadt von sich geben will, bei. Die Achse besitzt einige bedeutsame Stationen: Concorde, Arc de Triomphe, Grand Arche. Die Porte Maillot scheint am unwichtigsten, während die Louvre-Pyramide im Osten im Nachhinein auf den Ursprung des großen Entwurfs hinweist. Von der Place de l’Étile hat Charakter: Er symbolisiert Frankreichs Machtposition. Die Achse soll nun über La Défense hinaus bis Nanterre verlängert werden. Seit der Siegesparade von 1919 wird die Achse für große militärische Aufmärsche genutzt. Am beeindruckendsten ist die Parade zum Nationalfeiertag am 14. Juli jeden Jahres.

Amüsement wird großgeschrieben

Während die Jardins des Champs-Élysées auf eine lange Geschichte zurückblicken, beginnt die der Avenue und ihrer Umgebung erst am Anfang des 19. Jh., als die Hauptstadt sich nach Westen ausbreitete und dort eine Luxusstadt mit prunkvollen Residenzen entstand. Trotzdem scheint das Viertel von der Concorde bis zur Place de l’Étoile sehr früh von Spazier- und Müßiggängern erobert worden zu sein. Wenig bewohnt, aber vielbesucht, war es schon immer die Gegend unzähliger Lokale, in denen das Volk sich unterhalten ließ. Vom Bal Mabille zum Lido, vom Café des Ambassadeurs zu Fouquet’s, vom Restaurant Ledoyen zu den Fast-food-Läden und im Kino – überall amüsierte man sich. „In all diesen Sälen, vor Fürsten und wohlhabenden Nichtstuern, Damen von Welt und solchen, die sich nur einen solchen Anschein geben, wird gegenwärtig in jeder nur vorstellbaren Weise und durchaus nicht immer schamlos gesungen, getanzt und geschauspielert. Man entdeckt in dieser Art von Vergnügen […] vor allem das Verlangen nach Hemmungslosigkeit […]“, so äußerte sich besorgt Maurice Talmeyr, ein Zeitgenosse.
Riesige Volksmengen versammelten sich auf den Champs-Élysée, um Bonaparte, die sterbliche Hülle von Victor Hugo oder de Gaulle bei der Befreiung von Paris zu feiern.

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