Katakomben von Paris

Paris ist unterkellert von einem weitverzweigten Gang- und Höhlensystem: den Katakomben. Entstanden ist dieses ebenso düstere wie faszinierende Stollennetz als Überbleibsel früherer unterirdischer Steinbrüche, die sich an dieser Stelle befanden. Hier, in den sogenannten „Carrières“, wurden über Jahrhunderte hinweg Gips, Ton und Steine abgebaut, die in der oberirdisch stetig wachsenden Stadt dringend benötigt wurden. Infolge dieses intensiven Abbaus wuchs das Höhlensystem schließlich auf stolze 330 Kilometer Länge an. Da die bis zu 35 Meter tiefen Gänge zu dieser Zeit jedoch kaum bis gar nicht gesichert waren, wurde der Abbau schließlich eingestellt und das Stollennetz vorerst stillgelegt.

Die Stadt wuchs indessen weiter. Hungersnöte und schlechte hygienische Bedingungen führten jedoch bald zum Ausbruch von Seuchen und Epidemien. Als die Pariser Friedhöfe die rapide wachsende Zahl der Toten nicht mehr fassen konnten, erinnerte man sich schließlich des unterirdisch angelegten Stollensystems. Um die regulären Friedhöfe zu entlasten und um weitere Seuchenausbrüche zu verhindern, ging man ab dem Jahr 1785 dazu über, die Knochen exhumierter Verstorbener in die Katakomben zu verbringen. Anfänglich wurden die Gebeine achtlos in die Tiefe geschüttet. Bald schon begannen die Totengräber jedoch, Schädel und Knochen in Formationen und Mustern zu stapeln und den unzähligen namenlosen Verstorbenen so die letzte Ehre zu erweisen.

Mit Ausnahme des 1. bis 4. Stadtbezirkes ist noch heute das gesamte Stadtgebiet mit Gängen unterkellert. Und obwohl also beinahe ganz Paris unterirdisch durchquert werden könnte, ist doch nur der kleinste Abschnitt des Höhlensystems der Öffentlichkeit zugänglich – namentlich der Teil, in dem die Schädel und Knochen der Verstorbenen zur Ruhe gebettet sind. Der restliche Teil der Katakomben ist aus Sicherheitsgründen gesperrt, da man sich in dem weitverzweigten Labyrinth sehr leicht verirren könnte. Auch wird ein Teil der Katakomben für Strom- und Wasserleitungen genutzt, manche Stollen wurden zu Metroschächten ausgebaut. Ein ganz bestimmter Abschnitt ist gar der französischen Nationalbank vorbehalten, die hier ihren Goldschatz lagert.

Wer die Katakomben besuchen möchte, sollte sich entsprechend „geländegängig“ kleiden. Die Gänge sind feucht und der allgegenwärtige Kalkstein hinterlässt bei jeder Berührung seine weißen Spuren. Der Einstieg zur unterirdischen Welt der Pariser Katakomben befindet sich am Place Denfert-Rochereau und ist mit den Metrolinien 4 und 6 zu erreichen.

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