Notre-Dame

Eine antike Kathedrale

Die Kathedrale Notre-Dame de Paris, eines der Wahrzeichen der französischen Hauptstadt, zeugt von der Entwicklung des gotischen Baustils zwischen der Mitte des 12. und dem Anfang des 14. Jh. Die schlichte Harmonie des imposanten Baus beruht auf einem ausgeklügelten Gleichgewicht zwischen horizontalen und vertikalen Gliederungselementen, das das Bauwerk in eine Mittlerrolle zwischen der Romantik und den „klassischen“ Kathedralen wie Chartres und Reims einordnet.
Nach und nach gewann das Domkapitel an Bedeutung. Zwischen Sanktuar und Mittelschiff wurde ein liturgischer Altarraum errichtet und etwas später im Westen ein aus zwei Hallen bestehender Komplex, der von einem Turmvorbau umrahmt wurde. Im Jahr 1148 ließ der Archidiakon des Domkapitals, Étienne de Garlande, ein mit Säulenstatuen verziertes und der Jungfrau Maria gewidmetes Portal einbauen. Als es im Jahr 1160 zum Abriss der antiken Basilika kam, blieb nur dieses Portal erhalten, das man an der Westfassade wieder einsetzte und der heiligen Anna weihte. Zu jener Zeit erlebte das Reich unter Louis VII. gerade einen außergewöhnlichen Aufschwung. So entschloss sich Erzbischof Maurice de Sully zum Neubau der Pariser Basilika im Stil der Frühgotik, der über 150 Jahre dauern sollte und mehrfach neue Stilentwicklungen übernahm.

Die großen Bauetappen

Das ehrgeizige Bauvorhaben war von so gigantischen Ausmaßen, dass es bedeutende Veränderungen auf der Cité-Insel erforderlich machte. Sämtliche Gebäude, mit Ausnahme des Domkapitels und des Baptisteriums, wurden abgerissen. Der unbekannte Architekt dieses ersten Entwurfes begann den Bau 1163 mit dem Chorhaupt, das 1182 fertiggestellt war. Ursprünglich umfasste der Aufriss vier Etagen: Über der auf Säulen ruhenden Arkadenzone öffnete sich eine den gesamten Innenraum umlaufende Empore; die Hochwand darüber war durch eine Reihe Rosettenfenster, denen Spitzbogenfenster folgten, durchbrochen. Bis ins Jahr 1225 waren auch das Langhaus und die Westfassade bis zur oberen Galerie vollendet, doch schon bald zeigte sich, dass auch der Neubau stilistisch durch die Entwicklung des Kathedralbaus schon wieder überholt war. Dabei ersetzte man die früheren Pultdächer der Empore durch mächtige Strebebögen, zugleich verlängerte man die Querhäuser um ein Joch. Im Rahmen der zwischen 1250 und 1325 realisierten Baumaßnahmen wurden unter Leitung der Architekten Pierre de Chelles und Jean Ravy zwischen Chor und Chorhaupt Kapellen hinzgefügt.

Mögen Sie diesen Artikel?